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Der Ätna

Der Ätna

Europas höchster aktiver Vulkan: eine halbe Million Jahre Eruptionen, ein Mythos für jeden Krater, und Schnee neben Feuer. Die Sizilianer nennen ihn schlicht «a Muntagna» — den Berg.

Der Riese

Rund 3.350 Meter — die Höhe ändert sich mit jeder Eruption — und 45 Kilometer Durchmesser: Der Ätna ist kein Berg in Sizilien, er ist ein Stück Sizilien. Er entstand vor einer halben Million Jahren unter Wasser, im Golf, der heute die Ebene von Catania ist, und hat seitdem nie aufgehört, sich auf- und abzubauen. Seit 2013 UNESCO-Welterbe, ist er einer der aktivsten und meistuntersuchten Vulkane der Erde, mit vier Gipfelkratern und Hunderten von Seitenkegeln. An seinen Flanken wachsen Weinberge, Wälder und Dörfer: Hier ist der Vulkan keine Bedrohung, sondern ein Nachbar.

Schnee neben Feuer.

Der Mythos

Für die Griechen lag unter dem Berg Typhon, das hundertköpfige Ungeheuer, das Zeus mit der ganzen Insel erdrückte: Wenn er sich umdreht, bebt die Erde; wenn er atmet, raucht der Krater. In seinen Tiefen schmiedete Hephaistos, der Schmiedegott, mit Hilfe der Zyklopen die Blitze des Zeus. Und hier soll sich der Philosoph Empedokles — der auf dem Vulkan ein Observatorium errichtet hatte — in den Krater gestürzt haben, um seine göttliche Natur zu beweisen: Der Berg, so heißt es, gab nur eine bronzene Sandale zurück. Jedes Zeitalter hat den Ätna erzählt; keines hat aufgehört, ihn anzuschauen.

Die Chronik des Feuers: die großen Eruptionen

vor ~500.000 Jahren
Die ersten submarinen Eruptionen im prä-ätnäischen Golf. Die Kissenlaven von Aci Castello, unter der Normannenburg, erzählen noch heute davon.
122 v. Chr.
Die plinianische Eruption, die Catania unter Asche begrub. Rom befreite die Stadt für zehn Jahre von Steuern: die erste Katastrophenhilfe der Geschichte.
1669
Die Große Eruption: 122 Tage. Aus der Spalte bei Nicolosi wuchsen die Monti Rossi; die Lava verschlang vierzehn Dörfer, umging die Mauern Catanias und erlosch erst im Meer. Die auf dieser Lava wiederaufgebaute Stadt ist das Barock, das wir heute sehen.
1892
Eine Flankeneruption erschafft die Monti Silvestri: die erloschenen Krater, die heute jeder Besucher neben dem Rifugio Sapienza umrundet.
1928
In zwei Tagen löschte die Lava Mascali aus, Haus für Haus evakuiert. Es ist der einzige Ätna-Ort, der im 20. Jahrhundert vollständig zerstört wurde; er wurde etwas talwärts wieder aufgebaut.
1991–1993
Die längste des Jahrhunderts: 473 Tage. Um Zafferana zu retten, wurden Dämme errichtet, Lavakanäle gesprengt und — zum ersten Mal weltweit — ein Feuerstrom umgeleitet. Der Ort kam mit einem Obstgarten Abstand zur Lavafront davon.
2002–2003
Die «perfekte Eruption», auf zwei Flanken zugleich. Im Norden überrollte die Lava Piano Provenzana: Die Touristenstation wurde neu geboren, und heute geht man auf jener Lava, die noch warm von Geschichte ist.
2021
Das Jahr der Paroxysmen: rund sechzig Lavafontänen aus dem Südostkrater in wenigen Monaten, kilometerhohe Aschesäulen, Schauspiele sichtbar von Taormina bis Syrakus. Der Kegel wuchs so schnell, dass er zum neuen Gipfel des Vulkans wurde.
Heute
Das INGV überwacht den Berg rund um die Uhr mit Seismographen, GPS, Wärmekameras und Satelliten: Er gehört zu den bestüberwachten Vulkanen der Welt — deshalb lässt er sich sicher besuchen. Die erreichbaren Höhen ändern sich mit der Aktivität, und wenn der Krater aufleuchtet, ist das Schauspiel von der Küste aus gratis.

Am Rand eines Kraters gehen: man kann es — und vergisst es nie.

Die zwei Seiten

Ätna Süd — Seilbahn und Silvestri-Krater

Die Seite für alle: Rifugio Sapienza auf 1.900 m, der sehr leichte Rundweg an den Silvestri-Kratern (8:30–17:00, 5 €), die Seilbahn auf 2.500 m und die 3000-Tour mit 4x4-Bus und Führer bis fast 3.000 m. Für Familien und Senioren geeignet.

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Ätna Nord — Piano Provenzana, die wilde Seite

Weniger Menschen, mehr Vulkan: von Linguaglossa durch den Ragabo-Wald hinauf nach Piano Provenzana (1.800 m), zwischen den Lavaströmen von 2002. Die 4x4 der Betreiber fahren um 10:30, 12:00 und 13:30 bis auf 2.920 m — leichter Weg am Kraterrand von 2002 — und bei Sonnenuntergang gibt es die unvergessliche Tour (69–79 €, Vulkanführer inklusive).

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Der Berg live

Der Ätna schließt nie: Diese Webcams zeigen ihn genau jetzt. Wenn der Krater heute Nacht aufleuchtet, ist die morgige Tour Ihre Geschichte.

Morgenröte und Horizonte

Morgengrauen hinter dem Berg: der Vulkan erwacht vor der Stadt.
Der Gipfel über den Wolken: An klaren Tagen reicht der Blick von den Kratern bis zum Meer und zu den Liparischen Inseln.

Ein halber Tag an den Kratern, ein ganzer Tag mit den Alcantara-Schluchten oder die Weintour: Den Berg kann man auf viele Arten besuchen — und Ihr Fahrer kennt sie alle.

Bring mich auf den Ätna